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Merkblatt für Eintragungswerber

Mit dem Bundesgesetz über die allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen und Dolmetscher (SDG) wurden die Eintragungsvoraussetzungen dahingehend abgeändert, daß die Bewerber eine Berufserfahrung als Dolmetscher und Übersetzer nachweisen müssen. Für Absolventen der Studienrichtung "Übersetzer- und Dolmetscherausbildung" ist ein Nachweis über eine zweijährige Berufstätigkeit als Übersetzer und Dolmetscher, für alle anderen Bewerber ein Nachweis über eine fünfjährige Berufstätigkeit als Übersetzer und Dolmetscher unmittelbar in den der Eintragung vorausgehenden Jahren erforderlich.

Der Antrag auf Eintragung in die Liste der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Dolmetscher ist beim Präsidenten des Gerichtshofs erster Instanz jenes Sprengels einzureichen, in dem der Bewerber seinen gewöhnlichen Aufenthalt oder den Ort seiner beruflichen Tätigkeit (Zentrum der wirtschaftlichen Interessen) hat. Im Zuge des Eintragungsverfahren beauftragt der eintragende Präsident (Zertifizierungsstelle) eine Kommission mit der Erstellung eines Gutachtens über das Vorliegen der Eintragungsvoraussetzungen (Sachkunde). Die Prüfungsgebühr beträgt € 400,00, bei Heranziehung von mehr als drei Prüfern erhöht sich die Prüfungsgebühr um € 100,- je zusätzlichem Prüfer.

Im Fall eines spätestens 3 Tage vor Beginn der Prüfung erklärten Rücktritts des Bewerbers ist nur ein Viertel der Prüfungsgebühr zu zahlen. Gleiches gilt, wenn der Bewerber durch ein unvorhergesehenes oder unabwendbares Ereignis am rechtzeitigen Erscheinen gehindert war und dies binnen 14 Tagen nach Wegfall des Hindernisses bescheinigt. Andernfalls ist die Prüfungsgebühr in voller Höhe zu entrichten.

Bereiten Sie sich zuerst gründlich vor, bevor Sie Ihr Ansuchen abgeben. Unter Umständen können Sie schon sehr bald nach Abgabe Ihres Ansuchens zur Überprüfung Ihrer Kenntnisse eingeladen werden und verfügen dann nicht mehr über die notwendige Zeit zur Vorbereitung (im allgemeinen wird - je nach Vorbildung - mindestens ein halbes Jahr zur Aneignung der Kenntnisse erforderlich sein).

Für die Tätigkeit als Gerichtsdolmetscher sind nicht nur einwandfreie Kenntnisse der deutschen und der fremden Sprache erforderlich, sondern auch die Kenntnis der Grundzüge des österreichischen Rechts- und Gerichtswesens sowie des Rechts- und Gerichtswesens des Landes, in dem die betreffende Sprache Amtssprache ist, sowie umfassende Kenntnisse der Rechts- und Wirtschaftsterminologie in der deutschen und in der fremden Sprache. Ebenso ist auch eine gründliche Kenntnis der Terminologien anderer Fachgebiete wie z.B. Medizin, Technik u.dgl. erforderlich.

Übersetzen und Dolmetschen muß sowohl aus dem Deutschen in die Fremdsprache als auch aus der Fremdsprache ins Deutsche beherrscht werden. Eine Beschränkung auf nur eine Richtung ist nicht möglich.

Was den schriftlichen Ausdruck betrifft, ist eine einwandfreie Beherrschung des Deutschen und der Fremdsprache in Hinsicht auf Grammatik, Syntax und Orthographie ein Grunderfordernis. Äußerste Sorgfalt, Genauigkeit und Richtigkeit der Übersetzung sind schon deshalb von größter Wichtigkeit, weil der Gerichtsdolmetscher Urkundsperson ist und in dieser Eigenschaft Übersetzungen mit einem amtlich gültigen Siegel versieht. Bei Mängeln solcher Übersetzungen kann eine Haftungsklage drohen.

Eine weitere wichtige Voraussetzung für die Ausübung der Tätigkeit eines Gerichtsdolmetschers ist auch Flexibilität und Wendigkeit (dies besonders bei mündlichen Einsätzen). Bedenken Sie auch, daß Sie bei solchen mündlichen Einsätzen nicht nur keine Wörterbücher zu Rate ziehen können, sondern über einen so soliden Wortschatz verfügen müssen, daß Sie mit seiner Hilfe in jedem Fall eine zumindest verständliche Übersetzung herstellen können.

Nicht unberücksichtigt darf bleiben, daß die alleinige Beherrschung der Hochsprache sicher nicht ausreicht, um allen Anforderungen dieser Tätigkeit gerecht zu werden. In vielen Fällen werden Sie auch komplizierte Begriffe mit einfachen Worten umschreiben oder erklären, bzw. Jargonausdrücke beherrschen müssen.

Sie werden sich jetzt fragen: Und wie eigne ich mir all diese Kenntnisse an?

Ideal wäre es natürlich, wenn Sie das Übersetzer- und Dolmetscherstudium an einer Universität absolviert hätten. Falls Sie nicht über diese Ausbildung verfügen, müssen Sie sich die erforderlichen Kenntnisse im Selbststudium aneignen.

Was die Fachkenntnisse in der deutschen Sprache anlangt, könnten Sie sich u.a. der Arbeits- und Studienbehelfe bedienen, die unser Verband herausgegeben hat.

Weiters veranstaltet der Verband mehrmals im Jahr ein eintägiges Einführungsseminar für Eintragungswerber, in dem von einem Juristen die wichtigsten Grundlagen für die Ausübung der Tätigkeit als Gerichtsdolmetscher erläutert werden, sowie Grund- uind Aufbauseminare in Dolmetsch-/Übersetzungstechniken. Termine sind im Sekretariat zu erfragen.

Für die Kenntnisse in der Fremdsprache empfiehlt sich das Studium entsprechender Literatur (Gesetzbücher, zwischenstaatliche Abkommen, juristische Lehrbücher), weil nicht nur die Beherrschung der einzelnen Vokabel, sondern auch das Verständnis von zusammenhängenden Texten von äußerster Wichtigkeit ist.

Auch Zuhören bei Verhandlungen kann als Vorbereitung sehr nützlich sein.

Vergessen Sie bitte nicht, daß Sie dem Gericht und/oder den Behörden jederzeit (auch auf kurzfristigen Abruf) zur Verfügung stehen sollten. Wiederholte Weigerungen, einer Ladung nachzukommen oder einen Übersetzungsauftrag auszuführen, können die Streichung aus der Liste zur Folge haben.

Falls Sie noch weitere Fragen haben, steht Ihnen das Sekretariat des Verbandes zu den oben angeführten Zeiten unter der Wiener Telefonnummer 479 65 81 oder unter der E-Mail-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. zur Verfügung.